Nathaje im Interview: „Durch die Musik habe ich wieder zu mir selbst gefunden“

Erst vor kurzem hat die brasilianische Singer-Songwriterin Nathaje ihr neustes Album „Heal“ veröffentlicht. Zum Release gab es nach den Singles „Follow the Light“ und „Heal“ auch das Musikvideo zu dritten Auskopplung „She“. Ein dynamischer Song, der die Sängerin immer daran erinnert, stark und zielstrebig zu sein. Mit uns hat Nathaje über ihre Musik gesprochen und wie der Umzug von ihrer Heimat Brasilien in die Schweiz ihr Schaffen beeinflusst hat. Gerne stellen wir euch das Interview lizenzfrei zur Verfügung.

 

Nathaje, deine Wurzeln liegen in Brasilien, jetzt lebst du einige Zeit in der Schweiz. Wie kam es dazu?

Nathaje: Ich bin in Brasilien geboren und aufgewachsen. 2012 kam ich nach Genf, um Freunde zu besuchen, und sie stellten mich ihrem kanadischen Freund Mark vor. Wir hatten eine dreieinhalbjährige Fernbeziehung, als ich noch in Brasilien, lebte und er in Genf. 2015 beschlossen wir dann zu heiraten und nach Zug in die Schweiz zu ziehen. Seitdem sind wir hier.

Die Schweiz ist ein großartiges Land, aber gibt es etwas, das du an deiner Heimat wirklich vermisst?

Nathaje: Die Schweiz ist wirklich schön. Ich liebe die Natur und die Life-Balance, die ich hier habe. Am meisten vermisse ich drei Dinge an Brasilien: die Anzahl der Sonnentage, meine Familie und einige Aspekte der dortigen Kultur, wie die Herzlichkeit des brasilianischen Volkes.

Du bist eigentlich von Beruf Architekt. Wie bist du zur Musik gekommen?

Nathaje: Musik war immer ein Teil meines Lebens. Ich war so jung, dass ich mich nicht einmal daran erinnere, wann ich mit dem Singen anfing. In der Schule kam dann bei einer Berufsorientierung heraus, dass Architektur am besten zu meinen Interessen passte. Während meines sechsjährigen Studiums habe ich nie aufgehört Musik zu machen. Ich habe sogar mein Studium unterbrochen und war ein Jahr lang Lead-Sängerin in einer Band in einer Fernsehshow. Nach meinem Abschluss und dem Umzug in die Schweiz habe ich dann in Luzern nur noch als Architektin gearbeitet. Nach einem Burnout habe ich mich dann entschieden, nur noch Musik zu machen und begann wieder zu komponieren. So habe ich wieder zu mir selbst gefunden.

Dein aktuelles Album trägt den Titel „Heal“. Gibt es eine Hintergrundgeschichte?

Nathaje: Als ich die Songs für dieses Album schrieb, bemerkte ich, dass alle das gleiche Thema hatten – Heilen, also etwas durchmachen, überwinden, niedergeschlagen werden. Aber auch wieder aufstehen und stärker werden. Ich glaube, es hat mit allem zu tun, was ich in den letzten Jahren durchgemacht habe. Ich zog in ein fremdes Land, an einen Ort, an dem ich keine Freunde hatte und die Sprache nicht sprechen konnte. Ich hatte auch mental einiges zu verarbeiten und so begann ich wieder zu schreiben. Als ich den Song „Heal“ verfasste, dachte ich an die einfachste Form des Heilens. Das verbinde ich mit Achtsamkeit, die Sonne zu fühlen und von der Natur umgeben zu sein. Einfache Dinge, die uns helfen zu heilen. Daran wollte ich die Menschen erinnern. Ich denke, dass wir in gewisser Weise alle auf eine bestimmte Art und Weise heilen müssen. Wir sollen gut auf uns aufpassen und uns mehr selbst lieben.

In dem Song „Follow the Light“ beschreibst du die Menschen, wie sie sich immer mehr in graue Figuren verwandeln. Welche Botschaft möchtest du mit dem Song kommunizieren?

Nathaje: Im Song geht es um das Bewusstsein der Menschen. Wir brauchen menschliche Interaktionen für unseren eigenen Verstand und wir müssen Teil einer Gemeinschaft sein, denn Menschen sind soziale Wesen. In einer Gemeinschaft zu leben bedeutet, dass wir einige Regeln befolgen müssen, sonst gäbe es Chaos. Manchmal überschreiten wir durch die Anpassung an die Gesellschaft eine Grenze und verlieren unsere eigene Kreativität. Das heißt wir werden alle eine graue Masse, in der wir unsere eigenen Farben verloren haben.

Im Song geht es aber auch darum, wie sehr die Großstädte überwältigen können. Wir bewegen uns so weit weg von der Natur, dass wir das große Ganze nicht mehr sehen. Alles wird mit Beton abgedeckt und wir geraten in die Routine nach einem Lebensmodell, das nicht unbedingt unseren inneren Überzeugungen entspricht. Wir ersticken unsere Gefühle und achten nicht auf unsere eigenen Gedanken. Um als „normal“ zu gelten, schwächen wir Aspekte von uns ab, die uns einzigartig und kreativ machen.

Deine Songs sind sehr emotional und von starken Emotionen geprägt. Gibt es ein bestimmtes Schema, wie du deine Songs schreibt?

Nathaje: In meinen Songs versuche ich normalerweise etwas zu verarbeiten. Es kann durch ein interessantes Gespräch mit jemandem oder ein interessantes Video ausgelöst werden, das ich gesehen habe. Bei mir stehen die Texte immer an erster Stelle. Ich singe den Text erst A-capella, um ein Gefühl für den Song zu bekommen. Dann hole ich meine Gitarre und teste die Harmonien. Ohne Deadline kann das ewig dauern. Ich denke, beim kreativen Arbeiten gibt es kein Ende, nur eine Frist. Bei meinem Album kommt der Feinschliff von meinem Produzenten und Schwager Junior Carelli. Ich verbrachte sechs Wochen mit ihm in Brasilien, um alles aufzunehmen.

Hast du musikalische Vorbilder, die dich inspirieren?

Nathaje: Ich werde inspiriert, wenn ich einem Singer-Songwriter zuhöre und ich den Song wirklich mitfühlen kann. John Mayer und Sara Bareilles sind meine zwei größten Inspirationen, würde ich sagen. Aber ich viele andere Künstlern wie die Beatles, Dave Matthews, Damien Rice, Pink Floyd, die Killera, Alanis Morissette, Corinne Bailey Rae, Haim und Maggie Rogers inspirieren mich ebenfalls, nur um ein paar zu nennen.

Wenn deine Freunde dich in drei Worten beschreiben müssten, welche wären es?

Nathaje: Sensibel, kreativ und gesprächig.

Wo können deine Fans dich in Zukunft erleben?

Nathaje: Meine Fans können mir auf Instagram und Facebook folgen, um immer auf dem Laufenden zu bleiben.

 

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Luisa Ney | macheete
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