Anlässlich der Auszeichnung mit dem Deutschen Jazzpreis 2026 für ihr Lebenswerk spricht Aki Takase im Interview über ihre künstlerische Entwicklung, die Rolle von Improvisation und ihren Blick auf die heutige Jazzszene. Seit Jahrzehnten zählt sie zu den prägenden Stimmen des zeitgenössischen Jazz. Mit einer musikalischen Sprache, die sich konsequent zwischen Komposition und Improvisation bewegt und sich immer wieder neu erfindet.
Die Preisverleihung findet am 25. April 2026 im Congress Centrum Bremen im Rahmen des 20-jährigen Jubiläums der jazzahead! statt. Im Vorfeld gibt die Pianistin und Komponistin Einblicke in ihre Arbeit, ihre Einflüsse und die Dynamiken einer Szene, die sich stetig verändert. Heute sind wir mit Aki im Gespräch.
Sie erhalten den Deutschen Jazzpreis für Ihr Lebenswerk. Was bedeutet es für Sie, in diesem Zusammenhang gelesen zu werden – also nicht nur rückblickend, sondern im Kontext der heutigen Jazzszene?
Aki Takase: Das ist eine große Ehre und erfüllt mich mit Stolz. Außerdem hat mir die Anerkennung für die Musik, die ich bisher geschaffen habe, den Mut gegeben, meine Musik in neue Richtungen weiterzuentwickeln. Herzlichen Dank!
Ihre Musik bewegt sich seit Jahrzehnten zwischen unterschiedlichen kulturellen Kontexten. Wie haben diese Perspektiven Ihr künstlerisches Denken geprägt und was hat sich daran im Laufe der Zeit verändert?
Aki Takase: Alle Musik hat sich von der Vergangenheit bis zur Gegenwart weiterentwickelt und die Welt, wie wir sie heute kennen, geprägt. Ich habe mich schon immer für die Geschichte des Jazz interessiert, insbesondere dafür, die musikalischen Botschaften von Komponisten und Musikern, die mich faszinieren, aufzunehmen und sie aus meiner eigenen Perspektive weiterzuentwickeln, um ihnen heute neues Leben einzuhauchen. Seit letztem Jahr widme ich mich, aufbauend auf meinen bisherigen Erfahrungen, einem neuen Projekt: dem Timeless Orchestra.
Was hat Sie ursprünglich zum Jazz gebracht und was hält Sie bis heute in dieser Form, die sich ja ständig verändert?
Aki Takase: Es fing ganz zufällig an. Als ich an der Musikhochschule studierte, lud mich eine Freundin ein, mir ein paar Jazzplatten anzuhören, und das war der Beginn meiner neuen musikalischen Reise. Jazz ist wie eine Droge – ein starkes Aphrodisiakum. Ehe ich mich versah, war ich in die Welt des Jazz hineingezogen worden, und hier bin ich heute.
Sie haben sehr unterschiedliche musikalische Phasen durchlaufen. Gab es Momente, in denen Sie Ihre eigene künstlerische Richtung grundlegend infrage gestellt haben?
Aki Takase: Ich hatte nie Zweifel an der Richtung meiner Musik. Ich habe mich schon immer für alle Arten von Musik interessiert, vor allem für klassische Musik, zeitgenössische Musik, Jazzimprovisation, Volksmusik und so weiter. Für Popmusik oder Anime-Soundtracks habe ich jedoch absolut kein Interesse.
Sie arbeiten seit vielen Jahren in wechselnden Konstellationen. Was macht für Sie eine Zusammenarbeit produktiv und wann wird sie es nicht?
Aki Takase: Wenn die musikalischen Ansichten der Mitmusiker sich von meinen unterscheiden, ist es schwierig, lange zusammen zu spielen. Im Idealfall wäre es großartig, wenn wir trotz etwas unterschiedlicher Musikgeschmäcker gemeinsam großartige Musik schaffen könnten.
Improvisation spielt im Jazz eine zentrale Rolle. Was bedeutet Improvisation für Sie heute – auch im Verhältnis zu Erfahrung und Routine?
Aki Takase: „Extremer Inspiration“
Wenn Sie auf Ihre Laufbahn zurückblicken: Wie haben sich die Bedingungen für Frauen im Jazz verändert und wo sehen Sie heute noch strukturelle Unterschiede?
Aki Takase: Eine positive Entwicklung ist, dass sich heute mehr Frauen für Jazz interessieren als früher. Es ist auch gut, dass es – teilweise als Folge davon – heute mehr Musikerinnen gibt als früher; da Männer und Frauen jedoch je nach Instrument unterschiedliche Körperbauten haben, sind die Voraussetzungen möglicherweise nicht dieselben. Das hat auch mit politischen und soziologischen Entwicklungen zu tun.
Wenn Sie auf die heutige Jazzszene blicken: Welche Entwicklungen interessieren Sie und wo sehen Sie vielleicht auch Spannungen oder Brüche?
Aki Takase: In letzter Zeit spüre ich eine größere Klangvielfalt, da immer mehr interessante Musiker auftauchen, die sich vom Jazzgenre entfernt haben oder von anderen Musikrichtungen beeinflusst wurden. Es ist jedoch schade, dass die Dynamik und Spannung, die dem Jazz innewohnen, nachlassen.
Was würden Sie jüngeren Musiker:innen heute mitgeben – nicht nur künstlerisch, sondern auch im Hinblick auf Arbeitsrealitäten im Jazz?
Aki Takase: Lasst euch nicht von der Informationsflut verwirren. Und vergesst bitte nicht, dass es die Musiker sind, denen wir die Musik verdanken. Sucht nach Musik, die ihr eines Tages selbst gerne hören würdet.
Woran arbeiten Sie im Moment und was interessiert Sie gerade musikalisch?
Aki Takase: Letztes Jahr habe ich mit Daniel Erdmann ein Projekt namens „Timeless“ ins Leben gerufen. Gemeinsam mit jungen Musikern aus verschiedenen Genres möchte ich mich mit faszinierender Musik von der Vergangenheit bis zur Gegenwart auseinandersetzen, neue musikalische Wege erkunden und herausfinden, wohin sich die Musik entwickelt.
Für weitere Informationen:
Laila Bahaaeldin | macheete
E-Mail: presse@macheete.com