Die Europacity braucht Zeit, um ihre Identität zu entwickeln – Sebastian Mirrek im Interview

Mit dem Projekt Nordhafen Living & Office positioniert sich der Bauträger JTRE Germany erstmals auf dem deutschen Markt und das in einem der dynamischsten Stadtentwicklungsgebiete Berlins. Die Europacity steht exemplarisch für die Chancen und Herausforderungen moderner urbaner Entwicklung: steigende Nachfrage, hohe Baukosten und wachsende Anforderungen an Nachhaltigkeit treffen hier unmittelbar aufeinander.

Diese Dynamik spiegelt die gesamtstädtische Entwicklung wider: Berlin wächst kontinuierlich und zählt heute rund 3,9 Millionen Einwohner, mit steigender Tendenz. Gleichzeitig werden jährlich deutlich weniger Wohnungen fertiggestellt als benötigt, was den Druck auf den Markt weiter erhöht.

Im Interview spricht Sebastian Mirrek, Senior Projektmanager bei JTRE Germany, über die aktuellen Herausforderungen des Berliner Immobilienmarkts, die Entwicklung der Europacity und die Rolle gemischt genutzter Quartiere. Zudem gibt er Einblicke in die Anforderungen an nachhaltige Projektentwicklung und zeigt, wie internationale Erfahrung in die Entwicklung neuer urbaner Räume in Berlin einfließt.

Wie bewerten Sie aktuell die Entwicklung des Berliner Immobilienmarkts, insbesondere im Spannungsfeld zwischen hoher Nachfrage, steigenden Baukosten und neuen Anforderungen an Nachhaltigkeit?

Berlin wächst, das lässt sich anhand der steigenden Bevölkerungszahlen klar belegen. Gleichzeitig nimmt die Zahl kleinerer Haushalte zu und die Nachfrage nach effizientem, modernem und nachhaltigem Wohnraum steigt weiter. Die Mieten steigen durch die hohe Nachfrage, gestiegene Bau- und Energiekosten sowie durch komplexere baurechtliche Auflagen, insbesondere in den Bereichen Nachhaltigkeit, Barrierefreiheit sowie Brand- und Schallschutz. Diese Anforderungen sind grundsätzlich richtig, müssen jedoch stärker auf ihre praktische Umsetzbarkeit überprüft werden, um das Bauen zu vereinfachen und den Preisanstieg zu begrenzen.

Einstellige Mieten im Neubau sind ohne Subventionen aktuell kaum realistisch. Der Rückgang im Eigentumswohnungsbau erhöht zusätzlich die Nachfrage auf dem Mietwohnungsmarkt. Daher zählt jede neue Wohnung, unabhängig davon, ob sie gefördert oder freifinanziert ist. Besonders hoch bleibt die Nachfrage im Segment der Mittelschicht. Neben dem Neubau braucht es auch Lösungen im Bestand, etwa Modelle für Wohnungstausch.

Grundsätzlich ist der Wohnungsmarkt sehr angespannt. Ohne Lösungen geraten gewachsene Nachbarschaften und soziale Strukturen zunehmend unter Druck.

Die Europacity entwickelt sich seit vielen Jahren als eines der größten innerstädtischen Quartiere Berlins. Wie sehen Sie die aktuelle Phase dieser Entwicklung?

Die Europacity befindet sich aktuell in einer Phase der Identitätsfindung. Das macht sie besonders spannend, da die Geschichte dieses Quartiers noch nicht vollständig geschrieben ist. Es gibt noch kein festes Korsett oder klar definierte Nutzergruppen. Dadurch entsteht Raum für neue Ideen und Konzepte sowie für Akteure, denen an anderen Standorten oft die nötige Flexibilität fehlt.

Diese Phase erfordert Mut und Geduld. Gleichzeitig lohnt es sich, die Europacity näher kennenzulernen und ihre Qualitäten zu entdecken. Wie jeder Stadtteil verfügt auch sie über besondere Orte und großes Potenzial. In den kommenden zwei Jahren werden die letzten Projekte fertiggestellt. Stadtplätze, Parks und Spielplätze werden ergänzt. Parallel wird gemeinsam mit den zuständigen Verkehrsunternehmen und der öffentlichen Hand am weiteren Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs gearbeitet.

Herausforderungen bleiben bestehen, etwa bei der Durchwegung oder bei verkehrlichen Anpassungen. Diese Themen werden jedoch eher langfristig gelöst werden müssen.

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Erkenntnisse aus den bisherigen Entwicklungen in der Europacity. Gerade mit Blick auf Qualität und langfristige Stadtentwicklung?

Ein Stadtquartier entsteht nicht über Nacht. Akzeptanz und Attraktivität entwickeln sich über einen längeren Zeitraum und erfordern das Zusammenspiel aller Beteiligten. Ein gemeinsamer Wille und Offenheit für neue Ansätze sind entscheidend, damit sich ein Quartier langfristig entwickeln und eine eigene Dynamik entfalten kann. Diese Entwicklung ist bereits spürbar, auch wenn nicht jede Idee erfolgreich ist. Gerade das macht die Europacity spannend. Sie entwickelt sich Schritt für Schritt weiter und gewinnt zunehmend an Leben und Identität.

Langfristig sehen wir hier eine Mischung aus Wohnen sowie der Verbindung von Wissenschaft, Forschung und Kultur, die bereits heute durch erste Unternehmen geprägt wird. Das Potenzial ist vorhanden. Entscheidend ist, es gemeinsam weiterzuentwickeln.

Welche Rolle spielt der Nutzungsmix aus Arbeiten, Services und urbanem Umfeld für den Erfolg eines Projekts?

Eine Kombination aus Arbeiten, Wohnen, Freizeit sowie Kollaboration und Netzwerken ist in einer dynamischen Zeit mit unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsmodellen sehr wichtig. Sie schafft flexible Möglichkeiten und spart Zeit, da viele Angebote im direkten Umfeld verfügbar sind.

Da Wohnraum teurer wird, sind effiziente und an die Lebenssituation angepasste Grundrisse entscheidend. Ergänzend braucht es Räume für mobiles Arbeiten sowie für Austausch und Zusammenarbeit im selben Gebäude. Geplant sind flexible Arbeitsplätze, multifunktionale Räume und ergänzende Angebote wie Gastronomie, Fitness und medizinische Versorgung. Ein solches Projekt deckt tägliche Bedürfnisse ab, schafft Identität und stärkt die Nachbarschaft. Dabei verstehen wir Nordhafen Living & Office nicht als isolierte Einheit, sondern als Ergänzung im Quartier.

Nordhafen Living & Office wird stark über Themen wie Nachhaltigkeit und Nutzerkomfort positioniert. Was bedeutet dieser Anspruch konkret in der Umsetzung?

Nachhaltigkeit bedeutet für uns, eine Immobilie zu schaffen, die unterschiedliche Nutzungsarten sinnvoll verbindet und langfristig funktioniert. Zudem muss sie anpassungsfähig sein, um auf neue Anforderungen reagieren zu können. Grundlage sind ressourcenschonendes Bauen, schadstoffarme Materialien sowie ein effizienter Betrieb, unter anderem durch den Einsatz von Photovoltaik. Darüber hinaus berücksichtigen wir Komfortaspekte wie Mobilitätsangebote, Fahrradinfrastruktur, Umkleiden, Duschen sowie Barrierefreiheit. Wichtig ist, die zukünftigen Nutzer im Blick zu behalten und ihnen langfristig einen Ort zum Leben, Arbeiten und Verweilen zu bieten. Gleichzeitig erfüllen wir hohe ESG-Anforderungen und streben entsprechende Zertifizierungen an.

Welche Anforderungen stellen Unternehmen heute an moderne Büroflächen und wie reagieren Sie mit Projekten wie Nordhafen Living & Office darauf?

Büroflächen sind heute mehr denn je Orte für Interaktion, Kommunikation und Zusammenarbeit. Sie müssen flexibel auf die Bedürfnisse der Nutzer reagieren und sich an unterschiedliche Arbeitsweisen anpassen. Neben klassischen Arbeitsplätzen sind flexible und multifunktionale Räume entscheidend. Auch technische Ausstattung und Möblierung spielen eine wichtige Rolle. Wichtiger als die reine Fläche ist ihre Qualität und Nutzbarkeit. Räume für Rückzug, Konzentration und Austausch sowie Außenflächen sollten berücksichtigt werden. Am Ende bleibt jedoch ein zentraler Faktor das informelle Gespräch im Arbeitsalltag, das mobiles Arbeiten nicht ersetzen kann.

JTRE ist seit vielen Jahren europaweit in der Stadtentwicklung tätig. Welche Erfahrungen aus anderen Märkten bringen Sie konkret nach Berlin mit?

JTRE wurde vor nahezu 30 Jahren in Bratislava gegründet und hat dort maßgeblich zur Entwicklung neuer Stadtquartiere beigetragen. Mit Projekten im internationalen Umfeld wurde der Erfahrungshorizont kontinuierlich erweitert. Dabei wurden unterschiedliche Märkte analysiert und Erfahrungen gesammelt.

Innerhalb des Unternehmens findet ein stetiger Austausch über Ländergrenzen hinweg statt. Entscheidungen werden hinterfragt und kontinuierlich weiterentwickelt. So entstehen Projekte, die nicht national geprägt sind, sondern modern, nachhaltig und international ausgerichtet.

Was bedeutet für Sie heute „hochwertige Projektentwicklung“, gerade im Kontext von Städten wie Berlin?

Hochwertige Projektentwicklung bedeutet, den Standort zu verstehen und eine Verbindung zur Nachbarschaft herzustellen. Ein Projekt muss Teil seines Umfelds werden und einen echten Mehrwert schaffen. Ein entscheidender Faktor ist die langfristige Akzeptanz sowie die Fähigkeit, sich an veränderte Anforderungen anzupassen. Mit dem Projekt Nordhafen Office & Living verfolgen wir genau diesen Anspruch im Kontext der Europacity.

Welche Rolle kann Nordhafen Office & Living für die zukünftige Entwicklung der Europacity spielen?

Das Projekt Nordhafen soll ein Taktgeber für die Europacity sein. Als einer der letzten Puzzlesteine möchten wir gezielt Impulse in den Bereichen Nachhaltigkeit, Innovation sowie Integration und Aufwertung der Nachbarschaft setzen. Ziel ist es, Bestehendes zu stärken und gleichzeitig neue Angebote zu schaffen, die nicht nur Anwohner und Nutzer vor Ort ansprechen, sondern auch Menschen aus anderen Kiezen in die Europacity ziehen. Parallel arbeiten wir eng mit Behörden, Politik und Nachbarn zusammen, um den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs voranzutreiben, öffentliche Räume weiterzuentwickeln und das Quartier nachhaltig zu beleben.

Für weitere Informationen:
Mareen Eichinger | macheete
E-Mail: presse@macheete.com