Alex Morgen im Interview: „Jeder meiner Songs hat etwas zu sagen, ohne leere Floskeln“

Auf seinem Solo-Debüt „Vom Siegen & Scheitern“, das vor kurzem erschienen ist, wird der Singer-Songwriter Alex Morgen sehr persönlich. Mit Themen wie der Erfahrung des Vaterwerdens, der Verarbeitung seiner Vergangenheit und gesellschaftskritischen Lyrics, erzählt der Berliner vom Auf und Ab seines Lebens. Im Interview hat Alex Morgen jetzt mit uns darüber gesprochen, wie er damals zur Musik gekommen ist und wieso das aktuelle Album nach 15 Jahren in der Berliner Musikszene seine erste Solo-Veröffentlichung ist.

 

Seit 15 Jahren bist du schon in der Berliner Musikszene unterwegs. Wie sahen deine ersten musikalischen Schritte aus?

Alex Morgen: Musik mache ich eigentlich schon, seit ich ein Kind war. Im Alter von 10 Jahren meldete mich meine Mutter beim Keyboardunterricht an. Mit 15 gründete ich dann mit meinem besten Freund meine erste Band, die aber leider – oder vielleicht zum Glück – nie irgendwo auftrat. Meine ersten Auftritte fanden bei schulischen Musikabenden statt. Ab da wollte ich immer wieder auf der Bühne Musik machen und gründete verschiedene Bands, mit denen ich Songs schrieb, Konzerte spielte und Alben veröffentlichte.

„Vom Siegen & Scheitern“ ist dein Solo-Debüt. Wie kam es dazu, dass du nach so langer Zeit zum ersten Mal dein eigenes Album veröffentlichst?

Alex Morgen: Als sich vor drei oder vier Jahren meine letzte Band auflöste, änderte sich mein Leben von Grund auf: Ich wurde das erste Mal Vater. Meine neuen Erfahrungen musste ich irgendwie verarbeiten, also nahm ich die Gitarre in die Hand und schrieb einige Songs, die ich mit etwas Studioequipment anschließend bei mir im Wohnzimmer aufnahm und vorproduzierte.

Kurz bevor mein Sohn geboren wurde, dachte ich eines Abends darüber nach, wie ich meinem Sohn die Leidenschaft für Musik weitergeben könnte, in einer Welt, in der jeder Millionen von Songs jederzeit griffbereit hat und die Wertigkeit von Musik immer weiter abnimmt. Also bestellte ich mir einen Plattenspieler und eine ganze Reihe meiner Lieblingsalben gleich mit. Seitdem bin ich leidenschaftlicher Vinylhörer und -sammler und nachdem ich einige Songs fertig geschrieben hatte, kam die Idee auf auch eine eigene LP zu veröffentlichen.

In den Songs deines Albums sprichst du über Themen wie Beziehungen, Abschied nehmen und Neuanfänge und schlägst auch gesellschaftskritische Töne an. Woher nimmst du die Inspiration für deine Texte?

Alex Morgen: Mich selbst berühren vor allem deutschsprachige Songs, in denen der Künstler sein Inneres nach außen kehrt und etwas von sich preisgibt. Natürlich gibt es auch gute lustige Songs mit fiktiven Geschichten, besonders nachhaltig beeindrucken mich aber Songs mit starken Aussagen ohne kitschig zu sein. Die Songs auf meinem Album „Vom Siegen & Scheitern“ sind sehr persönlich und thematisieren das Auf und Ab im Leben. Ich habe die Erfahrungen des Vaterwerdens, die einhergehenden Veränderungen und Belastungen damit und auch Verarbeitungen mit der Vergangenheit in den Songs thematisiert. Außerdem findet sich auch ein sozialkritischer Song auf dem Album: „Fressen“ beschreibt den Werteverlust durch die digitalen Medien. Ich kann mit Stolz sagen, dass jeder Song auf dem Album etwas zu sagen hat, ohne leere Floskeln.

Hast du einen Lieblingssong auf deinem Album oder gibt es einen Song der dir besonders viel bedeutet?

Alex Morgen: Alle Songs bedeuten mir sehr viel, da sie sehr persönlich sind und ich sehr viel Zeit, Energie und Herzblut in sie investiert habe. Müsste ich einen Song herauspicken, wäre das wohl „Leise“. Es war einer der ersten Songs, die ich für das Album geschrieben habe und er thematisiert die Erfahrungen des Vaterwerdens. Neben dem wundervollen Arrangement trifft der Text den Kern des Ganzen und wird in der zweiten Strophe auch etwas sozialkritisch: Du lernst worauf es wirklich ankommt im Leben und verstehst, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen.

Das erste Mal auf der Bühne hast du deine Songs bei deinem Record Release Konzert performt. Wie hat es sich angefühlt, damit auf der Bühne zu stehen?

Alex Morgen: Es war eins der besten Konzerte, die ich meiner musikalischen Laufbahn geben durfte. Obwohl ich stimmlich etwas angeschlagen war, war das Feedback der Leute sehr überwältigend. Gerade auch bei den ruhigen und intimen Stellen im Set war das Publikum sehr aufmerksam und ergriffen. Ich freue mich auf die nächsten Konzerte.

Gibt es einen Künstler, der dich besonders inspiriert?

Alex Morgen: Ich höre sehr breit gefächert Musik und habe jetzt keinen bestimmten Künstler, dem ich nacheifere. In meiner Plattensammlung findet sich sehr viel altes Zeug, wie 70er und 80er. Müsste ich meine 10 Lieblingsplatten aus meiner Sammlung bestimmen, würden darunter Künstler sein wie Bruce Springsteen, Van Morrison, John Prine, Chris Cornell aber auch unbekanntere Künstler wie David Ramirez, Ruston Kelly oder Jeffrey Martin.

Was würdest du einem jungen Singer-Songwriter mit auf den Weg geben?

Alex Morgen: Es klingt abgedroschen, aber: Mach dein Ding! Lass dich nicht von irgendwem bequatschen, wie du sein müsstest. Lass dich von anderen Künstlern inspirieren, aber versuche nicht sie zu kopieren. Sei mit dir selbst und deinen Songs streng und feile immer weiter daran bis sie wirklich gut sind. Und was gerade im digitalen Zeitalter ganz wichtig ist: Lass dir Zeit, bevor du etwas veröffentlichst. Viele laden gleich den erstbesten Song hoch und wundern sich dann, wenn es keiner hören will.

 

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