Mit der Vorstellung des aktuellen Arbeitsstands zur möglichen Bewerbung für die EXPO 2035 hat Berlin gestern erstmals aufgezeigt, wie eine internationale Weltausstellung in der Hauptstadtregion aussehen könnte. Auf einer Pressekonferenz präsentierten Global Goals für Berlin e.V. und die EXPO 2035 Berlin GmbH das Gesamtkonzept, aktuelle wirtschaftliche Modellierungen und konkrete Standortoptionen. Als erstes sichtbares Element wurde das KiezLab vorgestellt, welches künftig an verschiedenen Orten der Stadt präsentiert werden soll.
Daniel-Jan Girl und Christine Brummer ordneten zu Beginn die Rolle von Global Goals für Berlin e.V. als zivilgesellschaftlichem Träger des Prozesses ein. Der Verein verantwortet die strategische Rahmung und die Zusammenarbeit mit städtischen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Partnern. Im Mittelpunkt steht die Idee, Transformation und Nachhaltigkeit nicht abstrakt, sondern über konkrete Projekte und Beteiligungsformate in der Hauptstadtregion sichtbar zu machen.
Im Anschluss stellte Thomas Willemeit von GRAFT Gesellschaft von Architekten mbH das inhaltliche und räumliche Leitbild der möglichen Bewerbung vor. Das Konzept sieht eine offene, dezentral organisierte EXPO vor, die bewusst nicht auf ein abgeschlossenes Ausstellungsgelände setzt. Stattdessen würden ausgewählte Orte in Berlin – insbesondere in den Kiezen – zu Programmräumen, in denen lokale und internationale Akteur:innen gemeinsam an Themen der Nachhaltigkeit und Zukunftsgestaltung arbeiten. Dieses Modell wäre international einzigartig und verbindet die EXPO erstmals mit einer langfristigen städtischen Transformationsstrategie, die sich an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen orientiert.
Besonderes Interesse galt den wirtschaftlichen Perspektiven, die Senior Advisor Volker Halsch von PricewaterhouseCoopers im Rahmen des initialen Business Cases vorstellte. Die Analyse zeigt, dass eine EXPO 2035 einen gesamtwirtschaftlichen Impuls von bis zu 22 Milliarden Euro für Deutschland auslösen könnte, davon rund 10 Milliarden Euro direkte Wertschöpfung in Berlin. Für das Land Berlin wären laut Modellierung Mehreinnahmen von rund 685 Millionen Euro realistisch, während der Bund mit bis zu fünf Milliarden Euro zusätzlichen Steuereinnahmen rechnen könnte. Auch der operative Haushalt der EXPO wurde im Business Case vorgestellt: Für Einnahmen von rund 2,1 Milliarden Euro – darunter etwa eine Milliarde Euro aus Ticketverkäufen – stehen nahezu identische Ausgaben gegenüber, was auf eine ausgeglichene operative Planung hinweist. Insgesamt rechnet die Modellierung mit rund 30 Millionen Besuchen während der sechsmonatigen Ausstellungszeit.
Rudi Scheuermann von Arup Deutschland GmbH und Stephan Schuetz von gmp – Architekten von Gerkan, Marg und Partner erläuterten anschließend die städtebaulichen und infrastrukturellen Optionen. Im Mittelpunkt stehen Flächen, die bereits heute im Fokus der Berliner Stadtentwicklung liegen, allen voran der ehemalige Flughafen Tegel. Nach Einschätzung der Expertenteams könnte die Einbindung der Urban Tech Republic und der dort geplanten Innovationsthemen dazu beitragen, Entwicklungsprozesse deutlich zu beschleunigen. Vorgestellte Szenarien belegen, dass infrastrukturelle Maßnahmen – etwa neue Straßenbahnverbindungen oder U-Bahn-Verlängerungen – im Kontext einer EXPO gebündelt oder zeitlich vorgezogen werden könnten. Zugleich lassen sich einzelne Strukturen perspektivisch mit möglichen Olympischen und Paralympischen Spielen der 2040er-Jahre verknüpfen, was zusätzliche Synergien für Planung und Finanzierung schaffen würde.
Eine zusätzliche wirtschaftliche Perspektive brachte der Ökonom und Impact-Investor Jochen Wermuth ein. Wermuth ist Mitgründer von Wermuth Asset Management und einer der führenden Vertreter der internationalen DivestInvest-Bewegung, in der sich Institutionen zusammengeschlossen haben, die Kapital aus fossilen Energieträgern abziehen und in nachhaltige Zukunftsprojekte umschichten.
Er betonte, dass ein Projekt wie die EXPO 2035 internationale klimarelevante Investitionen in erheblichem Umfang mobilisieren könnte. In diesem Zusammenhang unterzeichneten DivestInvest und die EXPO 2035 Berlin GmbH einen Letter of Intent, der die gemeinsame Prüfung innovativer Finanzierungsmodelle vorsieht. Ziel ist es, nachhaltige Projekte, Reallabore und investitionsgeeignete Vorhaben zu identifizieren, die im Rahmen einer möglichen EXPO-Bewerbung mobilisiert werden könnten. Der Letter of Intent ist unverbindlich, markiert jedoch den Beginn eines strukturierten Austauschs über potenzielle Investitionsrahmen.
Zum Abschluss wurde das erste KiezLab präsentiert. Ein modularer Pavillon, der künftig an verschiedenen Orten in der Stadt zugänglich sein soll. Das Format dient als niedrigschwelliger Ort der Information, des Austauschs und der Projektentwicklung. Ab Januar 2026 sollen weitere KiezLabs in Berlin entstehen und sukzessive ein Netzwerk bilden, das die Transformationsthemen der EXPO frühzeitig in die Stadt hineinträgt.
Für die Pressekonferenz sprachen Daniel-Jan Girl und Christine Brummer (Global Goals für Berlin e.V.), Thomas Willemeit (GRAFT Gesellschaft von Architekten mbH), Volker Halsch (PricewaterhouseCoopers International Limited), Rudi Scheuermann (Arup Deutschland GmbH), Stephan Schuetz (gmp – Architekten von Gerkan, Marg und Partner) sowie Jochen Wermuth (DivestInvest). Moderiert wurde die Pressekonferenz von Mareen Eichinger (Leitung PR Global Goals Berlin & EXPO 2035 GmbH).
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